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mit meinem Cousin Wilgerd Nagy vom 4.5.2004 bis 12.5.2004 

Einleitende Bemerkungen über Siebenbürgen

Seit dem 12. Jahrhundert, also vor 800 Jahren,  kamen Menschen Deutscher Sprache meist Bauern aus linksrheinischen Gebieten also aus Limesgebieten (Luxemburg, Mosel, aber auch Wallonen) als Kolonisten des Ungarnkönigs Geza II nach Siebenbürgen. Sie sprechen eine mosel-fränkische Mundart, die heute noch in dieser Region (Luxemburg, Westeifel, Mosel) üblich ist. Sie wurden unter dem Schutz der ungarischen Krone angesiedelt. Möglicherweise blieben auch Kreuzfahrer vom Bauernkreuzzug 1096 auf dem Rückzug hier hängen – wie mein Cousin Wilgerd äußerte. Die größte Gruppe stellen die Siebenbürger-Sachsen. Die wenigsten kamen allerdings aus Sachsen. Der Name rührt von den Magyaren her, die Deutschstämmige so bezeichneten.  Für besondere Privilegien im Gastland nahmen sie die Strapazen der Umsiedlung auf sich. Sie waren auf dem sog. „Königsboden“ von Steuern und Feudalabgaben befreit und konnten eine weitgehende administrative Selbstverwaltung betreiben. (dieses Anrecht auf  „Königsboden“ ging 1867 endgültig verloren). Der ungarische König erwartete eine gesellschaftliche Stabilisierung im Land (die sie u.a. auch durch ihre Baukenntnisse für Wehranlagen einbringen sollten). Mit den Sachsen glaubte man auch die Gefahr von Überfällen aus dem Osten besser bannen zu können.

Sie zahlten Steuern direkt und nur an den König.     

Kaum hatten sich Ungarn und Sachsen in Siebenbürgen angesiedelt,  brachen 1241 die Mongolen ein und verwüsteten das Land durch Brandstiftung. Die Menschen flüchteten in die Wälder. Das Schicksal Siebenbürgens hätte wahrscheinlich einen anderen Verlauf genommen, hätten die Mongolen sich nicht bereits 1 Jahr später wegen ungeklärter Nachfolgefragen nach dem Tode des Tartarenkönigs nach Asien zurückgezogen. Auf dem Konzil von Lyon wurde im Jahre 1245 im Kanon „de Tartaris“ der Aufbau eines befestigten Verteidigungssystems beschlossen, um zukünftige Einfälle in Kerngebiete des Reiches besser aufhalten zu können. Der über ganz Osteuropa installierte neue Limes zeigt auch, dass die römisch-katholische Expansion am Karpatenbogen zum Stillstand kam.

Noch vor der Katastrophe hatten die Ungarn dem Deutschen Ritterorden, in den ersten 2 Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts als päpstliche Schutztruppe im Land, den Bau eigener Festungen aus Stein verwehrt. Nun wurden die Stadtmauern von den Sachsen zu Wehrmauern mit Wehrtürmen ausgebaut. Hinzu kamen 300 Wehrburgen und -kirchen. Der Papst nannte Siebenbürger das „Bollwerk der Christenheit“.

 Siebenbürgen ist Durchgangsland zwischen dem West- / Mittel-Europa und dem Balkanraum sowie dem nahen Osten. Hier kamen die Kreuzzugsheere auf ihrem Weg nach Konstantinopel durch. Auch der Ost- Westhandel nahm diesen Weg. Dieser lag weitgehend in den Händen der Siebenbürger Sachsen. Auch hierauf begründete sich ihre wirtschaftliche Vorrangstellung in dieser Region. 1490 kam der walachische Fürst Vlad „der Pfähler“ an die Macht. Er behauptete sich gegen die Osmanen. Gleichzeitig besteuerte er die Händler aus dem Westen ungewöhlich hoch, auch um Mittel für den Aufbau eines schlagkräftigen Heeres zu gewinnen. Wegen seiner Zollpolitik gegen die Siebenbürger Sachsen wurden in Mitteleuropa Schmähbriefe gegen den rumänischen Fürsten verbreitet, die das Bild des „Pfählers“ prägten (Grundlage für Bram Stokers Dracula-Mythologie).

Nach der katholischen Gegenrevolution kamen noch im 19. Jahrhundert oft aus religiösen oder /und wirtschaftlichen Gründen Zehntausende Schwaben aus dem Schwarzwald (darunter meine Vorfahren mütterlicherseits: Fam. Götz aus Ebingen) nach Siebenbürgen. Aus Kärnten, der Steiermark und Oberösterreich wurden die evangelischen sog. Ländler von Maria Theresia vertrieben und siedelten sich ebenfalls vorwiegend in der Gegend um Hermannstadt an. Die Deutschen in Siebenbürgen blieben nach der Reformation, die damals vom Kronstädter Reformator und Humanist Honterus befördert wurde und 1550 bereits abgeschlossen war, immer evangelisch. Die Reformation in Siebenbürgen gelang wegen der damaligen Oberherrschaft des Konstantinopler Sultans über dieses Gebiet (1526 – 1593).

Dem Sieg der Osmanen ging die Entwaffnung der Bauern voraus, die durch einen Kreuzzug der Leibeigenschaft entkommen wollten. Die Adligen zwangen den ungarischen König die Auflösung des 40000 Mann starken Bauernheeres anzuordnen. Papst Leo der X und der Kaiser hatten 1514 zu diesem Kreuzzug gegen die Osmanen aufgerufen und den Teilnehmern die Aufhebung der Leibeigenschaft versprochen. (An den Kreuzzügen gegen Jerusalem waren im Wesentlichen Adlige beteiligt, gegen die Osmanen waren aber Massenheere gefragt). Das Bauernheer wurde 1514 geschlagen und entwaffnet. 1526 verloren der ungarische König und das Adelsheer die Schlacht und das Leben, weil die Bauern die Gefolgschaft verweigerten. 

Der Sultan als Gegenspieler des Papstes förderte die Reformation der Siebenbürger-Sachsen. Honterus rief eine eigene Buchdruckerei ins Leben und führte als erster die allgemeine Schulpflicht ein. Bereits ca. 100 Jahre später waren die Siebenbürger Sachsen das einzige Volk ohne Analphabeten.

Das 17. Jahrhundert brachte für Transsilvanien eine gewisse wirtschaftliche und kulturelle Blüte, während im Reich der 30jährige Krieg tobte und die Pest wütete.

Das Handwerk blühte und konnte seine Waren –Waffen, Stoffe und Luxusartikel- gut im Westen und im Osten absetzen. Die Protestanten förderten Bildung und Kultur. Die Lage der nur „tolerierten“ Rumänen war alles andere als rosig gemäß einem Reisebericht des schwedischen Gesandten Conrad Jacob Hiltebrandt in den Jahren 1656 bis 1658. Die sündigen Wallachen freuten sich angeblich an einem Galgen –wie der Heiland- aufgehängt und nicht auf einen Pfahl aufgespießt zu werden.

Die Lage der Rumänen sollte sich erst nach dem endgültigen Sieg Habsburgs 1683  nach der erfolglosen 2. Belagerung Wiens durch die Türken allmählich verbessern.

Übrigens hat der französische König Ludwig XIV dem Sultan seine Neutralität zugesichert und damit die Osmanen zu einem erneuten Angriff auf Wien ermuntert. Hierdurch beabsichtigte man in Paris, den Einfluss Habsburgs zu schwächen. Doch Habsburg behielt mit der Unterstützung des Papstes die Oberhand durch den Sieg über die Türken.

Die ca. 150 Jahre dauernde osmanische Herrschaft über dieses Gebiet war damit beendet. Die Regierung und der siebenbürgische Landtag wurden nun der Regentschaft der siebenbürgischen Hofkanzlei in Wien unterstellt. Nach dem Prinzip (Westfälischer Frieden 1648): „Cuius regio eius religio“ versuchte Wien eine Rekatholisierung der sich die von Protestanten dominierten Stände erfolgreich widersetzten. Deshalb entdeckte Wien die Walachen als Bevölkerungsgruppe, die für das Zurückdrängen des ständischen Einflusses nützlich sein konnte. Die Rumänen wurden laut J. C. Freiherr von Bartenstein 1802 als Instrument der habsburgischen „Zentralisierungspolitik“ betrachtet. Nach dem Prinzip „ divide et impera“ sollte ein Keil zwischen die adelsfeindlichen sächsischen Städtebürger und die ländliche ungarische Magnaten-Herrschaft getrieben werden.

Die ursprüngliche Begeisterung der Sachsen bei der Ankunft der Österreicher in Siebenbürgen verflog rasch, auch deswegen, weil die Kaiserlichen eine ausgesprochene Abneigung gegen den Protestantismus hatten.

In der Folge kam es zur Union zwischen orthodoxen Walachen und Rom, worüber sich die „brüderliche Vereinigung der Ungarn, Szekeler und Sachsen“ sehr empört zeigten, hätte sie doch die Walachen zu Gleichberechtigten gemacht. (Unierte Kirche bedeutet: Anerkennung des Papstes unter Beibehaltung orthodoxer Riten).
Wenn die walachischen Popen durch die Union steuerfrei geworden und wie die katholischen Priester im Landtag vertreten gewesen wären, hätte dies einen Eingriff in das Machtmonopol der ungarischen, deutschen und Szekler Oberschicht bedeutet. Deshalb entschied der Landtag der „privilegierten Nationen“ 1698, dass die walachischen Geistlichen weiterhin zur Steuerzahlung verpflichtet seien. Es wurde von beiden Parteien eine Entscheidung aus Wien verlangt. 1702 entschied der Kaiser im 2. „Leopoldinischen Diplom“ dass die „walachische Nation“ nicht länger nur toleriert, sondern wie die anderen Nationen „privilegiert“ sei, d. h. mit Ungarn, Szeklern und Sachsen gleichgestellt sein sollten. Widerstand gegen die Union der Orthodoxen mit Rom kam aber nun auch von den Orthodoxen jenseits der Karpaten in Bukarest, aus Konstantinopel und Jerusalem. Somit war eine seltsame Koalition von protestantischen ungarischen Feudalherren, die um ihre wirtschaftlichen Privilegien fürchtete und Konstantinopel, das einer Union mit Rom ablehnend gegenüberstand, hergestellt.

Eine wirkliche Stärkung der rumänischen Position brachte die Regentschaft des Reformkaisers Joseph II. (1780 – 1790), Sohn von Maria Theresia. Er enteignete die Kirchen und Klöster um seine Reformen finanzieren zu können. Er hatte das Land bereist und war von den mittelalterlichen Zuständen beeindruckt: Fortgesetzte Privilegierung der Stände usw. Ab 1765 war er Mitregent.

In der Folge wurden alle Bürger gleichgestellt, die Privilegien der Ungarn, der Szekler und der Sachsen beseitigt, deren „Nationen“ aufgehoben. Deutsch wurde Amtssprache. Auch der ungarische Feudaladel musste Steuern zahlen, Rumänen durften in die Städte ziehen, Häuser kaufen und offiziell auch Kirchen innerhalb der Stadtmauern bauen. Die Feudalherren wussten jedoch die Realisierung dieser Reformen zu blockieren. 1783 machte sich Joseph der II. Gedanken über die Abschaffung der Leibeigenschaft auch in Siebenbürgen. Wiederum die ungarischen Magnaten verhinderten die Reform, die das Recht vorsah, ohne Erlaubnis seines Grundherrn zu heiraten, freie Berufswahl zusicherte sowie freies Verfügungsrecht über das persönliche Eigentum. Die Antwort der unterdrückten Walachen war ein blutiger Bauernaufstand. 1885 wurden die Reformen zurückgenommen, Ausnahme: „Toleranzpatent“ die Religionsfreiheit.

Der ehemals von Deutschen besiedelte Teil Siebenbürgen hat eine etwa elliptische Form und eine Ausdehnung von ca. 300-mal 200 km. Siebenbürgen (Transsilvanien) insgesamt wird nach Nordosten, Osten und Südosten und zum Teil nach Westen durch den Karpatenbogen und nach Nordwest durch das sogenannte Erzgebirge begrenzt (von Siebenbürgen aus gelangt man über den Ghimesch-Paß in die Moldau).

Vor dem 2. Weltkrieg lebten ca. 800000 Deutsche in Rumänien, davon  300000 im Banat, 240000 in Siebenbürgen, 80000 in Bessarabien, 80000 in der Bukowina, 40000 in Sathmar, 15000 in der Dobrudscha sowie 40000 Reichsdeutsche.

Die von Deutschen gegründeten Siedlungen Siebenbürgens reichen etwa von Kronstadt im Südosten bis Weißenburg (Alba Julia) im Nordwesten und von Bistritz im Norden bis Hermannstadt im Südwesten. Die siebenbürgische Ebene, ein ehemaliger Meeresboden, liegt etwa 500 m hoch und hat einen äußerst fruchtbaren Erdboden. Der Landschaftseindruck ist insbesondere in den randnahen südlichen Gebieten, die wir vorzugsweise bereist haben, sehr eindrucksvoll. Hier erheben sich nämlich die erdgeschichtlich jungen Karpaten mit ihren teils noch schneebedeckten Gipfeln. Sie entsprechen von der Entstehung her der östlichen Fortsetzung der Alpen.

Südlich von Kronstadt erhebt sich die Poiana (Schulerau). Hier fuhr schon meine Mutter vor dem Krieg Schi und brach sich den Daumen. Der höchste Gipfel (Moldoveanu) hat eine Höhe von 2544 m. Die Landschaft hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Allgäu, wo auch aus der Ebene plötzlich die mächtigen Alpen sich erheben. Im Nordwesten bei Turda (Thorenburg) liegt das Erzgebirge mit seinen abgerundeten vollständig bewaldeten Bergrücken; ein uraltes Mittelgebirge, vom Aspekt her wie der Taunus.

Ca. jeweils im Abstand von ca. 50 km liegen schmucke Städte dazwischen viele kleinere Ortschaften. Der Abstand von ca. 50 km ergab sich aus der Reichweite eines Pferdefuhrwerkes pro Tag, wie mir Karl Nikolaus unser Gastgeber in Heldsdorf erzählte. Die Heldsdörfer waren ehemals die Fuhrleute der Kronstädter. Heute leben noch ca. 40 000 Deutsche und 2 Millionen Ungarn in Rumänien. 107000 Deutsche wurden von der deutschen Regierung dem kommunistischen Regime „abgekauft“ für 8000 bis 15000 DM pro Kopf aus dem Budget des Innenministeriums unter der Regierung Kohl. Viele mussten aber auch die „Kopfprämie“ in DM sich illegal besorgen und ohne Quittung an eine „Verbindungsperson“ bezahlen. Dieses Prozedere hat aber erstaunlicherweise immer geklappt.

Letztendlich führte diese Politik praktisch zum Untergang des Deutschtums in Rumänien.

Nach Eintritt der Reisefreiheit verließen nochmals ca. 100000 Deutsche Rumänien. Die sächsischen Dörfer sind nunmehr menschenleer verödet oder von Rumänen oder Roma bewohnt.

Seit 1995 haben „Rumäniendeutsche“ kein Anrecht auf Bezug einer Rente in der BRD.

Nun aber zur Vorgeschichte unserer Reise:

Am Neujahrstag 2004 waren Helga und ich zu Besuch bei Wilgerd und Erzsi. Wir hatten vereinbart, eine Reise nach Ungarn und Rumänien zu machen und zwar in der 1. Maiwoche. Wir wollten die Kapelle aufsuchen, in der eine Gedenktafeln zu Ehren unseres gemeinsamen Großvaters Peter Nagy angebracht ist, der im 1. Weltkrieg in der norditalienischen Tiefebene fiel. Wilgerd meinte, dass die Kirche saniert werden müsse, um sie vor dem Zerfall zu retten. Hierzu seien auch Gespräche mit dem zuständigen Pastor nötig. Ich war aber auch sehr an dieser Reise interessiert, um das Land, wo meine Vorfahren mütterlicherseits gelebt haben, nämlich Siebenbürgen,  besser kennenzulernen. Dies erschien mir umso vielversprechender, als Wilgerd bis ca. 20 sein Leben dort u.a. bei meiner Großmutter, die ca. 1962 zu uns nach Sindelfingen kam, verbracht hat. Wilgerd erschien mir als der ideale Reisebegleiter mit eingehenden Ortskenntnissen. Zusätzlich von großem Vorteil erschien mir auch, dass er als vereidigter Dolmetscher für Rumänisch und „Ungarischdolmetsch“ über perfekte Sprachkenntnisse verfügt. Beides erwies sich im Verlauf unserer etwa 1wöchigen Reise als äußerst nützlich.

Ich und und mein Hund Onyx wurden am Flughafen Wien-Schwechat am frühen Nachmittag von Wilgerd abgeholt. Er kam mit seinem Opel Agila mit dem wir auch die Reise nach Ungarn und Rumänien unternahmen. Er war überrascht, dass Onyx dabei war. Doch bald waren sie Freunde.

Wir wollten früh am Tag wegfahren, um nicht in den Stau vor Budapest zu geraten, also erst am nächsten Morgen. Es blieb uns also Zeit, noch zum Neusiedler See zu fahren, den ich noch nicht kannte.

Dieser See ist  als Steppensee sehr flach mit weitgehend versumpften Ufern. Er liegt in der pannonischen Ebene. (Fast ganz Ungarn ist ein Steppenland). Wassersport ist am Neusiedler See sehr gut möglich. Es gibt hier auch thermische Winde. Der See hat eine österreichische und eine ungarische Seite. Am Wochenende kommen auch viele Radfahrer mit dem Zug aus Wien hierher. Bruck an der Leitha ist letzte Bahnstation vor der Grenze nach Ungarn. Alle Züge über Wien in Richtung Balkan halten hier. Hier lag vor dem 1. Weltkrieg die Grenze zwischen Österreich und Ungarn (in der k.u.k.-Monarchie).

Am Abend vor der Abfahrt wurde das Auto u.a. mit Hilfsgütern und Geschenken vollgepackt. Mir hatte die Lufthansa 12 kg Gepäck-Übergewicht anstandslos durchgehen lassen. Nach einem ausgiebigen Frühstück – insbesondere Wilgerd hat morgens schon einen sehr guten Appetit-  ging´s dann los.

Wir wechselten uns beim Fahren ca. alle 200 – 300 km ab. Es sind immerhin ca. 1000 km ins ehemals gelobte Land der Siebenbürger-Sachsen.

Abends kamen wir nach ca. 700 km Fahrt in Thorenburg (Turda) an. Bis hierher waren die Straßenverhältnisse einwandfrei. Die Durchgangsstraßen wurden von der EU finanziert und von Italienern gebaut. Die Straßen in Thorenburg, einer kleinen Großstadt am Rande des rumänischen Erzgebirges und der siebenbürgischen Hochebene sind in einem katastrophal schlechten Zustand. Nur die in Rumänien vorherrschenden „Dacias“ sind anscheinend mit verstärkten Stoßdämpfern in der Lage, die Berg- und Talfahrt durch die Schlaglöcher auszuhalten.

Wir kamen gegen 19 Uhr Ortszeit (+ 1 Std.). bei Joan Olteanu an. Er ist beidseitig beinamputiert und sitzt im Rollstuhl. Zur Begrüßung wurde von Wilgerd, wie übrigens auch bei unseren anderen Besuchen, eine Ananasstaude  -statt Blumen- überreicht. Ein hochprozentiger Begrüßungstrunk wurde gereicht. Wilgerd informierte sich bei Joan, der die Spenden verwaltet, über den Baufortschritt des Umbaues für die Behinderten, für den die Siebenbürger-Sachen von Wien großzügige Spenden gegeben haben. Die Belege wurden eingesehen und die Buchführung für ordentlich befunden. Wilgerd übergab erneut eine Spende von 1200 EURO, worüber man natürlich sehr erfreut war.

Bei schönem Wetter wurden wir abends von einigen Rumänen noch ins Café eingeladen.

Gegen 21:30 Uhr waren wir schließlich bei der ungarischen Gastfamilie Gersey.

Das ältere Ehepaar hat ein schönes altes Haus in Turda am Berg mit großem Garten. Die Einrichtung ist auch sehr edel mit vielen Antiquitäten. Sie waren sehr gastfreundlich. Es gab noch etwas zum Essen. Toma, der Hausherr, hängt sehr an seiner Villa während seine Frau gern nach Budapest umziehen möchte, wo ihr Sohn lebt.

Am nächsten Morgen trafen wir wieder Joan in seiner Wohnung. Er hat eine ausreichende Rente, da er beim Militär war. Der ca. 50jährige erscheint relativ gut versorgt. Man muß ihm z.B. helfen vom Rollstuhl ins Auto zu kommen.

Österreich hatte die operative Stumpfversorgung und die prothetische Versorgung von Joan nach seinem Dienstunfall beim Militär in Wien veranlasst.

Das gespendete alte Auto sollte jetzt herhalten, gut für den Agila. Das Garagenschloss ist durch ein kurzes Rohr geschützt, damit man es nicht absägen kann. Eindrucksvoll die großen offenen Müllbehälter, in denen sich die Katzen und was sonst noch tummeln. Die Gaszähler und Gasleitungen sind an den Häusern außen zu besichtigen.

Auf ging es zum Behindertenheim mit der Baustelle, die sich im Rohbau befindet. Das Dach ist mit neuen Balken versehen aber noch nicht gedeckt. Wilgerd war mit dem Baufortschritt zufrieden. Die Bauaufsicht ist anscheinend ständig präsent.

Ich spielte noch ca. 1/2 Stunde Tischtennis mit den Behinderten. Einer von ihnen war sportlich hervorragend in Form, trotz seiner Behinderung. Wir besichtigten noch die Unitarierkirche, die in Thorenburg von Szeklern gegründet wurde. Nach dieser Glaubensrichtung gibt es nicht die Dreifaltigkeit sondern nur den einen Gott. Dieser Lehre hingen (ungarische) Szekler an.

Thorenburg hat einen großen offenen Gemüsemarkt. Eindrucksvoll die Frische und Qualität und der niedrige Preis der angebotenen Waren.

Wir fuhren noch zu einem rumänischen Nationaldenkmal.

Nach dem 1. Weltkrieg entstand durch die Entscheidung der Siegermächte "Großrumänien". Zur Walachei südlich der Karpaten und der Moldau, die Teil der Österreichisch-ungarischen Monarchie waren, kamen von Ungarn Siebenbürgen und von Russland Bessarabien (heute Moldawien und Ukraine) zu Rumänien.                                                                                               Ganz in der Nähe des Nationaldenkmales wurde eine neue orthodoxe Kirche errichtet. Sie war aber erst im Rohbau fertig. Auf unserer Reise habe ich später noch viele unfertige Kirchenbauten gesehen. 

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2. Teil des Berichtes 

 
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